Wie alle großen Dinge wird auch das Social Media-Netzwerk Nummer eins immer wieder gern abgeschrieben. Aber wie lehrt uns schon die Bauernweisheit? Totgesagte leben länger. Und so präsentiert Facebook erneut auffällig positive Fakten in puncto Umsatz, Gewinn und Nutzerzahlen – und scheint noch obendrein zunehmend ein Problem für Google, Twitter und News Magazine zu werden.

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Noch ein alter Bekannter verlässt uns dieser Tage. Heute wurde die altbewährte Suchmaschine Altavista abgeschaltet. Circa um 1996 gestartet, handelte es sich bei Altavista um die erste Suchmaschine, die eine Volltextsuche im Internet ermöglichte. Hierbei wurde auf Meta-Tags und Inhalte von HTML-Dateien zugegriffen. Einige Zeit konnte sich die Suchmaschine als bekannteste Möglichkeit der Internetsuche behaupten, bis die Spitzenposition von Google übernommen wurde.

Altavista_logo

Nun wurde Altavista endgültig vom Netz genommen, ein Besuch der Suchmaschine führt direkt zur Yahoo-Suchmaschine weiter. Altavista befand sich seit 2003 im Besitz von Yahoo. Bekanntheit erlangte auch der von Altavista entwickelte Dienst Babelfish. Dieser konnte kurze Texte aus diversen Sprachen übersetzen und bot somit den ersten automatischen Übersetzungsdienst des Internets. Der reguläre Nachfolger des Übersetzungs-Programms ist der Bing Translator.

Am 3. Juni ging die neue Microsoft-Suchmaschine „bing“ an den Start und sorgte in den ersten Wochen nicht nur für reichlich Furore, sondern direkt auch für eine nicht unerhebliche Steigerung des US-Marktanteils von Microsoft auf 12,1 Prozent (12. Juni). Die Suchmaschine ist nach wie vor lediglich in der Beta-Version verfügbar, bietet derzeit aber bereits alle grundlegenden Funktionen, die der Google-verwöhnte Benutzer von einer Suchmaschine erwartet. Zeit für eine Zwischenbilanz!

Bing adaptierte das typische, minimalistische Google-Interface: ein unübersehbarer Suchschlitz, als Radio-Buttons repräsentierte Filter, die Links zur Spezialsuche als dezente horizontale Linkleiste oben links – perfekt zugeschnitten auf all diejenigen, die Googles Übersichtlichkeit und Usability gewohnt sind. Auch die Links zu „gesponserten Seiten“ werden wie die Google Adwords am rechten Rand sowie über den Ergebnissen der natürlichen Suche angezeigt. Hinzugefügt wurde eine Spalte auf der linken Seite, die verwandte Suchvorgänge aufzeigt. Bei Google findet sich diese oft praktische Funktion am Seitenende – bei bing entfällt daher das Scrollen, um per Klick die gestellte Suchanfrage zu verfeinern.
Ein weiterer, bestechender Unterschied zu Google stellt das täglich wechselnde Design in Form von hinterlegten Fotos dar, was die netten Google-Doodles in Sachen optische Ansprache um Längen schlägt.

In der Fehlertoleranz steht Bing dem Vorbild Google nach erstem Anschein auch in nichts nach: Tippfehler werden durch Nutzung eines internen Lexikons souverän erkannt, daraufhin werden die Suchergebnisse für den korrekten Suchbegriff (selbstverständlich nach Relevanz sortiert) angeboten:

bing Screenshot

Die Unterschiede zwischen Bing und Google stecken im Detail – u.a. in den Spezialsuchen, wie der Bilder- und Videosuche. Hier glänzt Bing mit ausgefeilter Technik und pfiffigen Filtermöglichkeiten: Vor allem das elegante Nachladen durch AJAX bei Bildern und das Anspielen von Videos per Mouseover wirken bestechend frisch.

Momentan tut sich fast jeden Tag etwas Neues bei bing. Microsoft gibt sich anscheinend alle Mühe, das beta-Stadium hinter sich zu lassen. Noch sind Funktionen wie Maps oder xRank (das Nachverfolgen der Beliebtheit von Personen-Suchabfragen) auf Grund fehlender Daten für den Benutzer zwar nicht zu gebrauchen, aber auch diese Funktionen wird Microsoft wohl in naher Zukunft ähnlich den Google-Funktionen ausbauen und dementsprechend anpassen. Mit geeigneten Partnern wie ciao! in der Produktsuche wird man bestimmt schnell einig werden.

Fazit: bing kann sich derzeit in Sachen Usability, Design und Funktionalität durchaus mit Google messen. Vor allem das ansprechende Design und die teilweise AJAX-basierte Umsetzung sind eine willkommene Abwechslung im Google-Alltag. Bleibt abzuwarten ob und wie Google kurzfristig auf die gelungene Konkurrenz reagiert, und ob sich bing weiter entwickeln und durchsetzen kann.

Demnächst erscheint an dieser Stelle ein Vergleich der Suchergebnisse von Google und bing – wer nicht so lange warten möchte, bilde sich sein eigenes Urteil auf hello-engines.de bzw. blindsearch.fejus.com.

Einige Nutzer haben vielleicht schon bemerkt, dass bei Google.com (US-Version) und auch bei den regionalen Ablegern der Suchmaschine bisweilen einige neue Features bei den Suchergebnissen auftauchen. So lassen sich hin und wieder Suchergebnisse abrufen, die den Schluss vermuten lassen, dass der Suchmaschinengigant im Bereich der semantischen Suche in kleinen, aber steten Entwicklungsschritten deutliche Fortschritte macht.

Wie bei ReadWriteWeb berichtet wurde, beantwortet Google diverse Suchanfragen nun einfach selbst und listet erst anschließend die natürlichen Suchergebnisse passend zur Suchanfrage aus.

Und jetzt wird es interessant, denn nicht immer befinden sich die gesuchten Begriffe auf der als Quelle angegebenen Website, sondern lediglich deren Synonyme inmitten eines semantisch unstrukturierten und somit nicht extra aufbereiteten Datensatzes.

Man vergleiche die beiden folgenden Suchanfragen:

„Marlene Dietrich’s spouse“

Beispiel1

Auf der als Quelle angegebenen Website befindet sich der Begriff „Spouse“ jedoch nicht – lediglich die Wörter „Family“  und „Married“ lassen sich inhaltlich dem Namen des Ehemanns von Marlene Dietrich zuordnen:
Beispiel2

Nun zur nächsten Suchanfrage:

„Marlene Dietrich’s husband“

Beispiel3

Wie man oben in dem Screenshot erkennen kann, beantwortet auch hier Google die gestellte Frage eigenständig und verweist dabei sogar auf eine andere Quelle, als bei der ersten Suchanfrage:
Beispiel4
Bei diesem Beispiel befinden sich zwar die gesuchten Begriffe auf der als Quelle genannten Website, liegen jedoch inmitten eines semantisch nicht weiter aufbereiteten, umfangreichen Textabschnitts. Google scheint demnach mittlerweile in der Lage zu sein, exakte Antworten auf spezifische Suchanfragen zu liefern, anstatt den Nutzer auf andere Websites zu verweisen – ein wichtiger Schritt in Richtung „Universal Search“.

Eine weiteres Beispiel:

„Capacity HD-DVD?“

Beispiel5

Der Nutzer braucht überhaupt nicht mehr auf eine andere Website zu navigieren, da die Antwort zuoberst ausgeliefert wird. Dies ist natürlich keine gewaltige Leistung auf dem Weg zur perfekten semantischen Suche, es zeigt sich jedoch deutlich, dass sich bei Google etwas in diese Richtung tut.

Auch der deutsche Markt wird langsam davon betroffen, wie die Suche nach „Kinoprogramm Berlin“ zeigt:
Beispiel6
Nach Klick auf „Weitere Filme“ wird einem anschließend von Google eine Übersicht über das laufende Kinoprogramm in Berlin präsentiert – wie praktisch!


Fazit:
Sowohl die oben angesprochenen Beispiele für die semantische Suche als auch die „Universal Search“ stellen einen Hinweis auf eine spannende Entwicklung auf dem Suchmaschinenmarkt dar, da sich hieraus auch für die Suchmaschinenoptimierung neue Möglichkeiten ergeben.