Virales Marketing: Forschergruppe ermittelt (gegen) die Auslösegruppe

Virales Marketing: Forschergruppe ermittelt (gegen) die Auslösegruppe

150 150 Björn Hallmann

Methode zum Auffinden der sogenannten Seed Group vorgestellt

Virales Marketing spielt eine immer größere Rolle im Online Marketing. Die sozialen Netzwerke und Medien werden dafür verwendet, gezielt Informationen, in der Regel mit besonderem Content, über das Prinzip der guten alten Mund-zu-Mund-Propaganda zu verbreiten. Gleich gesetzt werden kann beides allerdings nicht. Während die Mundpropaganda von (theoretisch) neutralen Auslösern initiiert wird, sind die Auslöser beim viralen Marketing die Werbenden, die systematisch versuchen, mit hervorstechenden Informationen in kürzester Zeit auf ein Produkt/eine Marke aufmerksam zu machen. Damit diese Form der sozialen Ansteckung (Seeding) besonders gut funktioniert, hilft es natürlich zu wissen, wie die Bedingungen aussehen müssen, um den gewünschten Flächenbrand zu erzeugen. Einer der entscheidenden Schlüssel ist die sogenannte Seed Group, jene Gruppe, von der die Verbreitung einer entsprechenden Nachricht oder Neuigkeit ausging.By Sofiaperesoa (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Und diese Gruppe wollen ”amerikanische Wissenschaftler“, genauer eine Forschergruppe des US-Militärs jetzt gefunden haben oder besser gesagt, sie haben eine Methode entwickelt, mit der sich eine solche Seed Group stark eingrenzen lässt. Der Nutzen wäre in jedem Fall vielseitig. So ließen sich die Auslösefaktoren besser ermitteln, die notwendig sind, um virales Marketing erfolgreich zu gestalten. Oder aber besonders gut funktionierende ”Gruppen“ könnten wiederum gezielt verwendet werden, um das eigene Produkt/die eigene Marke möglichst effektiv zu vermarkten. Oder aber…na, dazu später noch mehr.


Wie soll das Ganze nun funktionieren? Darüber berichtet das Online Magazin Technology Review (TR Online) aktuell, zusammengefasst: Es wurde ein Verfahren entwickelt, welches auf der Grundannahme beruht, dass „[…] ein Individuum von einer Botschaft erreicht wird, sobald ein bestimmter Anteil seins Freundeskreises diese erhalten hat.“ Daraus ergibt sich (irgendwie) ein kritischer Schwellenwert, der im Folgenden von entscheidender Bedeutung ist. Jetzt werden nämlich alle Personen, die weniger Freunde haben als der Schwellenwert angibt aus dem Verfahren genommen. Das Ergebnis ist, dass die im Pool verbliebenen den Schwellenwert anheben bzw. ein neuer Wert entsteht. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis kein Knoten mehr in dem Netzwerk ist, der mehr Freunde hat als der Schwellenwert beträgt. Nach dem Motto: den Letzten beißen die Hunde, wurden die letzten Knoten dann als die Seed Group ermittelt.

Allerdings geben die Forscher selber zu, dass sie keinen Beweis dafür haben, dass tatsächlich die kleinstmögliche Auslösergruppe gefunden wurde. Dies sei aber auch irrelevant, da das Ziel erreicht sei, eine Anzahl von Knoten zu finden, mit „der man die Gesamtpopulation aktivieren kann“.

Getestet haben die Wissenschaftler ihr Verfahren in diversen sozialen Netzwerken wie Flckr, Youtube oder Yelp. Wie TR Online berichtet, wurde in einem Friendster-Netzwerk mit 5,6 Millionen Knoten eine Seed Group in weniger als 3,6 Stunden ermittelt.


Während noch nicht bekannt ist, ob, und wenn ja, wie die Ergebnisse verwendet werden sollen, dürften aber bereits Verschwörungstheoretikern und Datenschützern die Ohren schlackern. Die Verwendung zu Marketingzwecken in der freien Marktwirtschaft ist die eine Seite der Medaille, eine andere, die Möglichkeit ganze „Gesamtpopulationen“ auch politisch manipulieren zu können. Gegen aufkommende Kritik dürfte wohl auch nicht helfen, dass es US-Militärs sind, die das Verfahren entwickelt und nun in der Tasche haben.

Dementsprechend hier noch ein kleiner, wenn auch nicht ganz ernst zunehmender Ausblick in die düstere Zukunft des viralen Marketings:

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