DMOZ – Ein Nachruf auf das Open Directory Project

DMOZ – Ein Nachruf auf das Open Directory Project

730 208 Björn Hallmann

Wer sich in den letzten zwei Jahrzehnten eingängiger mit dem Neuland Internet sowie der Suchmaschinenoptimierung beschäftigt hat, wird um DMOZ nicht drum herum gekommen sein.

Im März 2017 verstarb eines der weltweit größten Webverzeichnisse eines plötzlichen und unerwarteten Todes. Wir nehmen uns einen Augenblick, um der beeindruckenden Arbeit unzähliger Stunden unbezahlter Arbeit ehrenamtlicher Editoren zu Gedenken. Nehmen Sie andächtig den Hut ab und begleiten Sie uns ein Stück.

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Das ehemals größte Web-Verzeichnis dmoz ist Geschichte: Wir nehmen Abschied

Steckbrief: DMOZ –  ehemals größtes Webverzeichnis der Welt

Das Licht der Welt erblickte das später als Open Directory Project (ODP) bekannt gewordene Webverzeichnis 1998 unter dem Namen Gnuhoo (kurz darauf Newhoo). Kaum vier Monate alt wird das nicht-kommerzielle, von freiwilligen Editoren liebevoll gepflegte Verzeichnis von Netscape adoptiert und in ODP umgetauft. Wenig später heiratet Netscape durch Aufkauf in die Großfamilie AOL ein, womit der noch immer aktuelle Besitzer der Domain dmoz.org genannt wäre.

Der Name der ersten Webadresse im Verzeichnis lautet übrigens directory.mozilla.org. Aus diesem Grund hört das Projekt auch auf den deutlich bekannteren Spitznamen DMOZ.

Zu den Zielen des Open Directory Projects gehörte die Schaffung des weltweit größten öffentlichen Internetverzeichnisses. Hierzu sollten nur ehrenamtliche Editoren beitragen, zu denen grundsätzlich jeder gehören konnte. Die Pflege des Netzwerkes erfolgte nach klaren Auflagen sowie den Richtlinien des „Open Content“. Dementsprechend konnten Nutzer des Webverzeichnisses eingetragene Inhalte, ohne in Konflikte mit Urheberrechten zu kommen, teilen und weiterverwenden. Dieser Umstand trug signifikant zum Wachstum und der Verbreitung von DMOZ bei.

Schnell stieg ODP zum größten Webverzeichnis beziehungsweise Webkatalog der Welt auf. Begehrt waren alsbald aber nicht nur die angebotenen Informationen, die beispielsweise Recherchen im Internet noch vor Google & Co deutlich vereinfachten, sondern auch die eigentlichen Einträge ins Verzeichnis. Bis vor einigen Jahren galt ein Verzeichniseintrag unter anderem als wertvoller Backlink.

Google und der Abstieg des einstiegen Primus der Internetverzeichnisse

Lange bevor Google auch nur im Ansatz vermuten ließ, einst zur größten Suchmaschine im Netz zu werden, lieferte DMOZ brauchbare Suchergebnisse zu unterschiedlichsten Themen. Der enorme Datenschatz und die händische Pflege des nicht-kommerziellen Webverzeichnisses durch tausende Editoren weltweit trugen ebenfalls dazu bei, dass ODP für Suchmaschinen als vertrauenswürdige Quelle galt.

Es gehörte viele Jahre zur Suchmaschinenoptimierung, dafür zu sorgen, dass eine Kundenseite einen Verzeichniseintrag inklusive entsprechendem Backlink durch DMOZ erhielt. Außerdem griff Google auf die Daten des Verzeichnisses zurück, wenn beispielsweise Informationen zur Erstellung einer Description fehlten. Oft erstellte die Suchmaschine kurzerhand aufgrund des DMOZ-Eintrages eine (vermeintlich) passende SERP-Beschreibung. Wollte ein Webmaster dies nicht, musste es in den Metadaten durch NOODP ausgeschlossen werden.

Mit der zunehmenden Kompetenz des Google Algorithmus sowie selbst aufgebauter Datenschätze musste der Suchmaschinen-Primus im Lauf der Zeit immer seltener auf das Open Directory Project zurückgreifen. Und so kam, was die Spatzen schon einige lange Zeit von den Dächern pfiffen – DMOZ galt vielen SEO-Experten als tot. Mehr als ein einziger solider Link unter vielen im gut gepflegten Backlinkprofil war das Verzeichnis in der Suchmaschinenoptimierung am Ende nicht.

Wird DMOZ jemals wiederbelebt?

Für die vielen tausend ehrenamtlichen Editoren war es ein Ende mit Schrecken, als das plötzliche DMOZ-Aus von AOL mit einer klitzekleinen Vorlaufzeit von ein paar Wochen ohne nähere Angaben zu den Gründen verkündet wurde.

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††† Das ehemals größte Webverzeichnis der Welt DMOZ ist am 17. März 2017 verstorben. †††

Die Meinung der riesigen Community lässt sich wohl sehr treffend mit den Worten des deutschen ODP-Editors Thomas Schild wiedergeben, der bereits seit 1999 beim Projekt mitwirkte:

… wie viele Editoren, die im Zeitraum 1998-2017 tausende Stunden ihrer Arbeit ohne Bezahlung investiert haben, bin ich schockiert und verärgert.“ – Thomas Schild auf dmoz.de.

Derzeit steht lediglich eine statische Kopie des Verzeichnisses zur Verfügung, die über http://dmoztools.net/ erreicht werden kann.

ScreenShot dmoztools.netWie kaum anders zu erwarten, gibt es aber Bestrebungen der noch immer aktiven DMOZ-Community zur Wiederbelebung des Webverzeichnisses. Allerdings wird hierfür – so es den gelingen wird – wohl die altbekannte Domain dmoz.org nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Rechte daran hält auch weiterhin AOL und das Unternehmen ließ bis dato keinerlei Zukunftspläne verlauten.

Für SEO uninteressant – für virtuelle Freiheit von unschätzbarem Wert

Aus der Sicht der Suchmaschinenoptimierung würde eine Wiederbelebung wahrscheinlich keine großen Wellen schlagen. Ein Eintrag im Verzeichnis wäre wohl weiterhin nicht viel mehr als ein wertvoller, aber eben nur einzelner Backlink. Dennoch könnte der Erhalt von DMOZ ein wichtiges Signal für die Freiheit des nicht-kommerziellen Internets sein. Und wer weiß schon, wohin die Reise eines solch gewaltigen Datenschatzes noch gehen könnte?

Wir wünschen der engagierten sowie bewundernswerten Gemeinschaft aus zigtausenden Editoren und Unterstützern weltweit alles erdenklich Gute und viel Erfolg bei der Wiederauferstehung des Open Directory Projects – bleibt getreu dem Motto: Totgesagte leben länger!


Hinweis: Wer sich an der Rettung von DMOZ in irgendeiner Weise beteiligen möchte, dem sei dieser Link zur Community unbedingt empfohlen: https://www.resource-zone.com/


Quellen und Links:

dmoz.org – ist tot, es gibt hier aber noch wertvolle Link-Verweise (Quelle Titelbild).

dmoz.de – u. a. Zitatquelle zur Aussage von Thomas Schild (ODP-Editor tschild).

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