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„Neutralität, Transparenz und Kompetenz“ – Mainzer Studie fordert medienrechtliche Regulierung von Suchmaschinen

16. August 2013 in Online Marketing | keine Kommentare

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Laut einer Studie der Johannes Gutenberg Universität Mainz (JGU) wissen die meisten deutschen Internetnutzer nicht, wie Suchmaschinen funktionieren, und lassen sich von den Suchergebnissen durchs Netz treiben. Ein Beispiel hierfür sei die automatische Vervollständigung der Suchbegriffe, die User immer wieder gern übernehmen und die eigene Suche so den Vorgaben der Suchmaschine unterordnen. Die Studie fordert daher, dass die Betreiber der Suchmaschinen mehr Verantwortung für die Ausgeglichenheit und Vielfältigkeit der Informationsergebnisse übernehmen müssten und das einhergehend mit einer noch stärkeren medienrechtlichen Regulierung. Hierfür wurden drei maßgebliche Leitlinien entwickelt: Neutralität, Transparenz und Kompetenz.

Die Studie untermauert außerdem auch noch einmal die Marktdominanz, die Google hierzulande innehat. Allen Befragten der Studie war die Suchmaschine bekannt und die meisten von Ihnen verwendet sie auch selber. Bedenklich kommt daher, dass die meisten Internetnutzer vollkommen unkritisch mit Suchergebnissen umgehen und kaum über das Wissen verfügen, wie die Rankings überhaupt zustande kommen. So wussten beispielsweise die Wenigsten, dass die gelieferten Ergebnisse von Google auf sie persönlich zugeschnitten werden und sich an älteren Suchanfragen orientieren.

Im starken Kontrast zum eigentlichen Wissensstand der User steht deren Selbsteinschätzung im Umgang mit Suchmaschinen. Ein Großteil der Befragten bewertet die eigenen Kenntnisse als gut, obgleich ein formaler Wissenstest direkt ergab, dass sie über die Funktionsweise von Google nur schlecht Bescheid wissen. Eine Diskrepanz ergibt auch die Frage nach der Speicherung der eigenen Daten. Diese wird zwar von den befragten Teilnehmern der Studie explizit abgelehnt, die Personalisierung der Suchanfragen aber wird wiederum grundsätzlich begrüßt. Ebenso interessant wie bedenklich ist die Einschätzung um die Machtstellung von Google. Diese nämlich wird zwar wahrgenommen, aber durch das „beste Angebot“ kritiklos gerechtfertigt und somit legitimiert.

Insgesamt stellt die Studie ein allgemein mangelndes Problembewusstsein von Internetnutzern im Umgang mit Suchmaschinen fest. Nahezu unkritisch agieren demnach insbesondere User unter 30 Jahren. Als Konsequenz aus den Ergebnissen fordern die Wissenschaftler nun mehr medienrechtliche Regulierung. Es heißt, die Selbstregulierung durch die Anbieter sei bislang wirkungslos geblieben. Die drei Leitlinien, die die Studie jetzt ausgearbeitet hat, seien Ansatzpunkte einer sinnvollen Neuregulierung. Hier der entsprechende Auszug aus der offiziellen Pressemitteilung der Universität:

[…]Neuregulierung: Neutralität, Transparenz und Kompetenz. Neutralität bezeichnet gleiche Chancen auf aussichtsreiche Rankingplätze in Trefferlisten für alle Anbieter von Webinhalten. Um den Nutzern eine solche neutrale Auswahl aus dem gesamten Angebotsspektrum zu ermöglichen, dürfen Suchmaschinenbetreiber keinen Einfluss auf das Ranking von Suchergebnissen nehmen. Transparenz zielt auf die hinreichende Offenlegung der Funktionsweise von Suchmaschinen, um interne und externe Manipulationen und Verfälschungen der Trefferlisten erkennen zu können. Die Manipulationsgefahr muss auch stärker in das Bewusstsein der Nutzer rücken. Kompetenz zieht in Betracht, dass die größtmögliche Vielfalt im Internet wirkungslos bleibt, wenn Nutzer keinen Gebrauch von ihr machen. Die Stärkung der Medienkompetenz kann dieses Risiko mindern, indem Nutzer auf ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten und ihre Eigenverantwortung hingewiesen. Dafür müssen die Suchmaschinenanbieter in die Pflicht genommen werden. Diese drei Kriterien sollte der Gesetzgeber bei der Erarbeitung entsprechender Handlungsoptionen berücksichtigen. Anspruch einer künftigen Regulierung muss sein, die Meinungsvielfalt zu sichern, ohne unverhältnismäßig in den Wettbewerb und die dynamischen Entwicklungsprozesse der digitalen Medien einzugreifen.[…]

 
 

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