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Mobile Payment: Mobiles Bezahlen – ja, nein, vielleicht?

28. April 2016 in News | keine Kommentare

Mobile Payment - Apple Pay - Kreditkarten

Für viele Deutsche gehört „Mobile Payment“ schlicht (noch) nicht zum Wortschatz, andere wissen zwar, worum es bei dem Thema geht, kennen sich aber nicht ausreichend mit der Technik aus oder wollen sich schlicht nicht auskennen. Eine aktuelle Bitkom-Studie gibt Aufschluss über den Stand der Dinge und zeigt, dass viele Menschen hierzulande mobil bezahlen würden und es manchmal eben auch an Kommunikationsmängeln scheitert.

Wir haben uns mal wieder ausgiebiger mit dem spannenden Thema „Mobile Payment“ beschäftigt und stellen Ihnen unter anderem die Ergebnisse der Studie vor.

Schweden Button AppMobiles Bezahlen – die Schweden machen es (mal wieder) vor …

Es ist wahrscheinlich unnötig, auf unsere skandinavischen Nachbarn zu verweisen, zumal deren Bezahlverhalten längst auch in allen großen Medien thematisiert wurde. Aber um auf einem Stand zu sein: In Schweden wird schon seit geraumer Zeit vornehmlich mit der Kreditkarte bezahlt. Da viele Menschen dort an das bargeldlose Bezahlen gewöhnt sind und der Sicherheit der NFC-Technologie (Near Field Communication) vertrauen, war der Sprung von Kreditkarte auf Mobile Payment mit dem Smartphone nicht allzu groß. Ergo: In Schweden wird im Vergleich zu anderen Ländern enorm viel mobil und bargeldlos bezahlt. Daher heißt es auch gern, dass die Schweden als erste Nation das Bargeld bald vollkommen abschaffen werden – was sich allerdings erst noch zeigen muss.

Deutschland Button App… und die Deutschen machen es nach?

Nun ja. Genau genommen ist Mobile Payment in Deutschland (noch immer) vergleichsweise unbedeutend. Zwar geben in der aktuellen Studie des Digitalverbands Bitkom immerhin 32 Prozent der Smartphone-Besitzer an, bereits kontaktlos bezahlt zu haben oder dies zukünftig tun zu wollen. Dem gegenüber stehen allerdings beispielsweise 36 Prozent, die bisher noch überhaupt nichts von der NFC-Technologie gehört haben. Ganz zu schweigen von den großen Sicherheitsbedenken, die die hierzulande Lebenden gegenüber bargeldloser Bezahlverfahren generell hegen und pflegen.

Und in puncto Sicherheit liegt bezüglich kommunikativer Mängel einer der Hunde begraben, wenn man der Studie Glauben schenken will. So weist der Hauptgeschäftsführer der Bitkom Bernhard Rohleder darauf hin:

„Bei der Transaktion von Smartphone zu Lesegerät per NFC werden nur verschlüsselte Daten übertragen und auf der kurzen Strecke zwischen Kassenterminal und Smartphone ist Hacking nahezu ausgeschlossen. Die Gefahr, seine Geldbörse mit Münzen und Scheinen zu verlieren, ist weitaus größer“. – Bitkom, PM zur Studie (Link s.u.)

Also alles nur eine Frage falscher Kommunikation?

Sehen wir uns die Zahlen der Studie mal im Überblick an:

bitkom logoMethodik: Es wurden 1008 Personen ab 14 Jahren* befragt. Davon waren 749 Smartphone-Nutzer.

Mehrfach Angaben waren offensichtlich möglich.

Mobile Payment-„Nutzer“:

  • 32 Prozent (der Befragten) haben bereits kontaktlos bezahlt oder könnten sich eine zukünftige Nutzung vorstellen.

Mobile Payment-„Nicht-Nutzer“:

  • 37 Prozent haben vor allem Sicherheitsbedenken.
  • 36 Prozent wussten bis dato noch nichts vom Mobile Payment.
  • 30 Prozent kennen Mobile Payment, wissen aber nicht, wie es geht.
  • 12 Prozent wissen nicht, ob Ihr Smartphone überhaupt NFC-fähig ist.
  • 22 Prozent sehen keine Vorteile gegenüber der Bargeldnutzung.
  • 19 Prozent ist das Verfahren zu kompliziert.
  • 16 Prozent sind der Meinung, dass es zu wenige Händler gibt, die es akzeptieren.
  • 10 Prozent haben gar kein NFC-fähiges Smartphone.
  • 40 Prozent wollen generell nicht mit dem Smartphone zahlen.

Zugegeben, die Zahlen wären weit hilfreicher, wenn sie in stärkerer Relation zueinander stehen würden, aber auch so zeichnet sich ein deutlich negativ behaftetes Bild ab – zumindest dann, wenn sie selber Befürworter des kontaktlosen Bezahlens sind.

BaustelleWo liegen beim Mobile Payment die Baustellen in Deutschland?

Auch Kritiker müssen wohl zugeben, dass das mobile Bezahlen diverse Vorzüge mitbringt, die Bargeld schlicht und einfach nicht erfüllen kann. Da wäre der simple praktische Aspekt, kein Kleingeld mehr in den Taschen haben zu müssen und wenn die Technik optimal funktioniert, geht das Bezahlen schnell, kontaktlos und unkompliziert. Und unkompliziertere, günstige Bezahlverfahren kommen ja eben auch den Händlern zugute.

Was ist mit der Sicherheit?

Sicherheitsexperten wie Sebastian Schreiber (Syss) sind sich im wahrsten Sinne des Wortes sicher, dass die Technik ausreichend sicher ist:

„Die Gefahr, die wir hier haben, ist sicherlich nicht null, sie ist vorhanden. Aber im Vergleich zu anderen Verfahren, denen ich mich im normalen eBusiness aussetze, sehr gering. Von daher können Sie diese drahtlose Verbindung gerne nutzen.“ – Zitat bei plusminus (Linkquelle s. u.)

Müssen die Menschen also nur davon überzeugt werden, um die große Zahl derer zu senken, die insbesondere Sicherheitsbedenken hegen? Vielleicht. Vielleicht liegen die Bedenken aber auch nicht allein im Bereich der Technik, sondern vielmehr darin, dass fortan sehr viel genauer belegt werden kann, was ich wann und wo einkaufe. Aber ist das nicht eigentlich beim Online-Shopping ohnehin der Fall und tätigen nicht dennoch Millionen wöchentlich Online-Käufe? Vielleicht ist es dann doch eher ein Problem der Kommunikation?

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Was ist mit der Anwendbarkeit?

Neuere Smartphones sind in der Regel NFC-fähig. Entsprechende Bezahlverfahren sind bereits verfügbar oder stehen in Deutschland in den Startlöchern. Die Verwendung gilt bei denen, die es nutzen, als einfach und unkompliziert. Natürlich haben es ältere Menschen mit neuer Technik meistens etwas schwieriger, aber so allmählich kommt die Digitalisierung auch in höheren Altersstufen an und nicht wenige wissen mittlerweile Angebote wie Facebook, Skype oder WhatsApp zu schätzen. Technik und Funktionen werden noch ausgefeilter und immer leichter zu bedienen – die tägliche Nutzung zum Vorteil gegenüber Bargeld. Der praktische Mehrwert ist für viele Menschen eine Grundvoraussetzung für Mobile Payment. Ein Faktor, der Sicherheitsbedenken wahrscheinlich schnell beiseiteschieben wird.

Was ist mit der Händler-Akzeptanz?

Was war zuerst, die Henne oder das Ei? Die Händler wollen erst auf kontaktlose Bezahlverfahren umstellen, wenn es genügend Menschen nutzen, die Menschen wollen es erst nutzen, wenn es genügend Händler akzeptieren. Es braucht also Pioniere – und zwar auf beiden Seiten.

Was ist mit „Nur Bares ist Wahres!“?

Wenn Sie mal die Gelegenheit haben, einer Forum- oder Kommentar-Diskussion zu dem Thema zu lauschen, machen Sie das ruhig. Es ist sehr interessant, wie vehement die Deutschen ihre Mark, oh, Verzeihung, ihren Euro beziehungsweise ihr Bargeld verteidigen. Es mutet teils einer regelrecht philosophischen Auseinandersetzung mit dem Sein und nicht Sein an. Mit anderen Worten: Emotionen spielen eine große Rolle!

Bargeld

40 Prozent der Befragten möchten generell kein kontaktloses Bezahlen nutzen. Das verwundert überhaupt nicht. Und auch im viel besungenen Mutterland des Mobile Payments gibt es durchaus noch diverse Menschen, die nicht viel davon halten, das Bargeld gänzlich ad acta zu legen. So wurden beispielsweise 2015 auch in Schweden rund 37 Prozent aller Einkäufe bar bezahlt. Alle unterm Strich nur „ewig Gestriege“ oder die „Hüter persönlicher Freiheit“?

Vielleicht sowohl als auch. Denn in einem Punkt sind sich viele Experten einig: Das Bargeld wird langfristig auch in Deutschland weiter an Bedeutung verlieren und an seine Stelle werden digitale Bezahlverfahren treten.

Fazit: Mobile Payment muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten, oder?

Die Zahlen der Studie sehen aus der Perspektive für Mobile Payment eher dürftig aus. Viele Menschen hierzulande hegen noch große Vorbehalte gegen digitale mobile Bezahlverfahren. Auch die Kreditkarten selbst haben die Deutschen in der Summe bis heute wenig bis gar nicht überzeugt. Es muss also noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden, will man dem Bargeld tatsächlich die Stirn bieten.

Andererseits springen immer mehr Händler auf den Zug auf und bieten das kontaktlose Bezahlen in ihren örtlichen Filialen an. Die Akzeptanz auf Händlerseite wächst also stetig, womit sich zumindest ein Kritikpunkt allmählich in Wohlgefallen auflösen könnte. Sie wollen zum Bezahlen nicht das Smartphone nutzen? Das ist auch bald zu einem gewissen Grad kein Problem mehr, denn sowohl mit neuen Geld- als auch Kreditkarten wird das kontaktlose Bezahlen ebenfalls möglich.

Summa summarum: Mit den Möglichkeiten und Vorteilen wächst auch die Anhängerschaft von Mobile Payment allmählich. Ob das tatsächlich zur Abschaffung von Bargeld führt, bleibt abzuwarten. Aber so schnell werden wir in Deutschland wohl nicht ohne Bares auskommen (wollen).

 

*Kleine Anmerkung zur Studie:

Leider geht aus den vorliegenden Informationen zur Studie nicht hervor, warum die Befragten ab 14 ausgewählt wurden. Eine etwas seltsame Wahl. Zum einen, weil es um das bargeldlose Bezahlen mit dem Smartphone geht und immer noch viele Jugendliche kein NFC-fähiges Gerät besitzen. Und zum anderen, weil für Mobile Payment eine Kreditkarte genutzt werden muss, was wiederum für Jugendliche kaum möglich sein dürfte.

Quellen und Links:

Hier finden Sie die offizielle PM von Bitkom.

Zum Zitat von Sebastian Schreiber bei plusminus (Stand 22.04.2016).

Das Titelbild stammt von Apple Pay.

Die Vektorgrafiken stammen von pixabay/OpenClipartVectors (1 & 2 & 3).

Das Bild „Frau-Binärcode“ stammt von pixabay/gerald.

Das „Bargeld-Bild“ stammt von pixabay/martaposemuckel.

 
 

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