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Zukunft „Einkaufen“ – kommt die Revolution durch digitale Assistenten? [+Interview!]

27. Juli 2015 in E-Commerce | 2 Kommentare

Einkaufsassistent - trafficmaxx

Der Online-Handel entwickelt sich schnell und verändert zunehmend das Bild des stationären Handels. Einkaufs-Apps, QR- und Barcode-Scanner sowie Mobile Payment sind nur einige digitale Aspekte, die bereits heute großen Einfluss auf das Kaufverhalten von Kunden haben. Doch was passiert eigentlich, wenn bald all diese Services fließend ineinandergreifen?

Das wäre dann wohl ein brauchbarer digitaler Einkaufsassistent, der den Handel in jeglicher Form revolutionieren würde. Oder etwa nicht?

Lesen Sie jetzt im Blog ein paar Gedanken zu Shop.Co (inkl. Interview) und dem Potenzial hinter der Geschäftsidee sowie ähnlichen Ansätzen. Wie könnte das „Einkaufen“ der Zukunft schon sehr bald aussehen?

Shop.Co - trafficmaxx

„Ein Klick · Alle Shops“

So lautet der aktuelle Leitsatz auf der Website von Shop.Co. Kennen Sie noch nicht? Macht nichts, hier eine grobe Beschreibung der möglicherweise innovativen Dienstleistung:

  1. Sie registrieren sich bei Shop.Co und bekommen einen neuen Kaufbutton-Button für Ihren Browser. Fertig!
  1. Ihnen gefällt ein Produkt irgendwo im Netz. Sie wählen alle nötigen Einstellungen wie Größe, Anzahl oder Farbe aus. Sie klicken auf den Button. Fertig!
  1. Shop.Co legt stellvertretend für Sie ein Kundenkonto in dem entsprechenden Online-Shop an. Dazu nutzt Ihr „Bote“ eine Shop.Co-Mailadresse. Shop.Co bestellt die Ware für Sie zu den von Ihnen ausgewählten Konditionen. Das betrifft auch die Bezahlweise, die Sie bei Shop.Co selber angegeben haben.
  1. Die gesamte Kaufabwicklung ist ohne Ihr weiteres Zutun über die Bühne gegangen. Ihre Ware wird geliefert. Shop.Co verdient an Provisionen. Alle Beteiligten sind zufrieden.

Hinweis: Sie haben übrigens 30 Minuten Zeit, Bestellungen in Ihrem Shop.Co-Kundenkonto zu stornieren. Erst danach geht eine Order an die jeweiligen Online-Shops raus.

So, und damit es noch etwas deutlicher wird, hier noch das Shop.Co-Video zu dem Service:

Shop.Co: „Damit behalte ich die volle Kontrolle” – ist das so?

Das ganze Prinzip steckt aktuell in der Beta-Phase und schwächelt hier und da noch an einigen technischen und funktionellen Kinderkrankheiten. Aber die werden wohl früher oder später behoben sein. Viel spannender sind Fragen nach Recht und Sicherheit.

Was passiert eigentlich mit den ganzen Kundenkonten, die auf meinen Namen irgendwo im Netz verteilt sind? In wie weit habe ich irgendwelchen AGBs zugestimmt, die ich wahrscheinlich niemals gelesen habe? Was passiert, wenn ich Produkte zurückschicken möchte? Und sind meine Daten bei Shop.Co überhaupt sicher?

So in etwa lauteten auch meine Fragen an den Support von Shop.Co. Obgleich das Prinzip „Login für alle Online-Shops“ zwar nicht neu, aber dennoch spannend ist, stellt sich schon die Frage: Ob der Kunde tatsächlich die volle Kontrolle über seine Einkäufe behält?


Hier kurz und bündig die Fragen und Antworten:

Was passiert mit den ganzen Kundenkonten, die Shop.Co für mich im Netz anlegt?

Der Kunde kann bereits bestehende Kundenkonten bei ShopCo integrieren oder neu anlegen lassen. Anschließend läuft die gesamte Kommunikation mit dem Shop in Deinem ShopCo Konto zusammen, sodass Dein privates Emailfach frei von kommerziellen Emails bleibt. Die Shop-Konten bleiben so lange bestehen, wie Du Kunde bei ShopCo bist.

Inwieweit stimmt der „Einkaufs-Assistent“ irgendwelchen AGBs oder Ähnlichem zu, die ich selber wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekomme?

 ShopCo übermittelt nur die Kaufabsicht des Kunden und tritt rechtlich gesehen als Bote auf. Die Richtigkeit der Shop AGB muss der Kunde im Vorfeld selbst klären.

Ist das rechtlich abgesichert? Darf jemand „Fremdes“ Konten für mich anlegen, die gewisse rechtliche Konsequenzen bedeuten können?

Wie schon in 2. erwähnt tritt ShopCo nur als Bote auf und das Geschäftsmodell ist in Zusammenarbeit mit einer renommierten Anwaltskanzlei für e-Commerce entstanden.

Was ist, wenn mir Produkte nicht zusagen und ich Sie zurücksenden will (Rückerstattung, Versand etc.)?

Die Rücksendung funktioniert wie sonst auch über das Rücksendeticket des Shops, da der Kaufvertrag nicht zwischen Kunde und ShopCo, sondern dem Kunden und dem Online Shop besteht.

Ist es ggf. möglich Kundenkonten nach Bestellung direkt, also automatisch (per Einstellung) wieder löschen zu lassen?

Dies ist theoretisch möglich aber nicht implementiert. Wir werden diese Anregung aufnehmen und in unsere weitere Produktentwicklung einfließen lassen.

Habt Ihr Pläne für erweiternde Funktionen, die Ihr vielleicht heute schon ausplaudern könnt? 😉

Es wird eine Mobile-Version geben, da Shopping und Checkouts auf kleinem Bildschirm besonders nervig sind.

Wie wäre es bspw. mit der Integration einer Vergleichsfunktion á la „ja, kannst Du kaufen, aber hier ist es noch günstiger“? – dürfte ja auch provisionstechnisch spannend für Euch sein.

Sicherlich eine interessante Idee aber zur Zeit arbeiten wir daran das Core-Product weiter zu perfektionieren und machen uns um solche Funktionen keine großen Gedanken.

Das kleine E-Mail-Interview wurde mir von der Presse-Abteilung von ShopCo gegeben. Vielen Dank dafür!


Soweit so gut – wo bleibt die versprochene Revolution?

Shop.Co steht nicht allein am Anfang einer Entwicklung, die längst eingesetzt hat. Vergleichsportale, Social Media-Logins, Produkt- bzw. Code-Scanner und bald auch verstärkt in Deutschland Mobile Payment usw. – die Digitalisierung „erleichtert“ uns zunehmend das Einkaufen. Oder neutraler ausgedrückt: Sie verändert es massiv.

Werden all diese Services zusammen gelegt und durch Algorithmen, halbwegs intelligente Programme und Personalisierung gestützt, dann dürfte ein beeindruckender Einkaufsassistent dabei herauskommen. Ein paar Ideen dazu:

Shopping Logo - trafficmaxx

Online-Shopping:

Ich suche nach einem Produkt -> der Assistent á la Suchmaschine macht personalisierte Vorschläge.

Ich entscheide mich für ein Produkt -> der Assistent schlägt ein alternatives Angebot mit für mich vorteilhafteren Konditionen vor.

Ich kaufe das Produkt -> der Assistent übernimmt gewisse Haftungen oder/und stellt einen Käuferschutz für mich bereit. Vielleicht sorgt er sogar für einen Kreditrahmen.

Randbemerkung: Sie haben vielleicht gehört, dass Apple bereits plant, Werbung und Kaufkraft zu verknüpfen und dazu Einsicht zum finanziellen Spielraum eines Nutzers benötigt.

Offline-Shopping:

Ich entdecke im stationären Geschäft ein Produkt -> der Assistent schlägt ein alternatives, für mich vorteilhafteres Angebot vor. Ggf. könnte der Assistent mit dem Händler vor Ort um bessere Konditionen feilschen.

Ich kaufe das Produkt -> es wird ohne zusätzliche Versandkosten zu meiner Wunschadresse geliefert und der eigentliche Bezahlvorgang geht ebenfalls an mir vorbei.

Shopping Logo - trafficmaxx

Nachteile für den Kunden:

Der Nutzer gibt im Grunde sämtliche Daten über seine Einkäufe und Ausgaben an die zentrale Stelle „Einkaufsassistent“ ab. Der Assistent hat darüber hinaus mindestens zwecks Personalisierung Zugriff auf diverse weitere Datenquellen. Der Kunde verliert möglicherweise schnell den Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben (oder eben gerade nicht). Wahrscheinlich weiß der Kunde nicht, ob sein Assistent ihm auch tatsächlich immer das beste Angebot vermittelt – der Assi will ja auch von irgendwas leben, nicht wahr? Und so weiter.

Shopping Digitaler Assistent - trafficmaxxDennoch, ein solcher Service würde wahrscheinlich trotz aller Kritik viele Fans finden. Insbesondere dann, wenn der Service durch vertraute Größen wie Facebook, Amazon, Apple oder Google angeboten werden würde. „Die haben ja eh schon alle Daten über uns.“

Und der Handel – wie würde der wohl reagieren?

Ohne (noch viel mehr) aus dem Kaffeesatz lesen zu wollen: aber neben dem massiv veränderten Einkaufsverhalten der Kunden dürften sich viele Händler ganz schon umschauen – und zwar offline wie online!

Wenn potenzielle Käufer nicht mehr auf bestimmte Plattformen angewiesen sind und einfach nur noch dort kaufen, wo Sie für sich das beste Angebot vermuten, ohne den jeweiligen Shop überhaupt zu kennen, dann könnte das selbst gestandene Größen wie Amazon oder Otto ins Straucheln bringen. Da allerdings wiederum große Händler zumeist günstiger kalkulieren können – und wahrscheinlich auch schneller auf den Trend reagieren – könnten kleinere Läden und Online-Shops regelrecht austrocknen. Die Folgen wären wohl über den Handel hinaus weitreichend.

Shopping Bag Sale - trafficmaxxJa, ja: „hätte“, „könnte“, „würde“ – aber im Grunde haben wir eine ähnliche Entwicklung längst, nur halt noch vergleichsweise langsam. Ein halbwegs funktionierender Einkaufsassistent mit entsprechendem Trust-Faktor könnte den Handel ggf. von heute auf morgen revolutionieren – und das ist wertneutral gemeint!

Erstes (vorsichtiges) Fazit: Uns stehen weitere gewaltige Veränderungen ins Haus…

…wenn, ja insbesondere wenn brauchbare Einkaufsassistenten wie beschrieben kommen. Und danach sieht es ganz aus:

In einigen Jahren wird Mobile Payment für viele Menschen zum Alltag gehören. Preisvergleiche waren noch nie so einfach. Globale Spieler wie Facebook, Apple, Microsoft und Co. wollen zur zentralen Anlaufstelle für unser Leben werden (nicht nur online!) und sind es zum Teil schon heute. Gute Ideen und Geschäftsmodelle á la Shop.Co werden groß, alsbald geschluckt oder eben kopiert. Und auch an künstlicher Intelligenz und persönlich-brauchbaren Assistenten (Siri, Cortana & Co.) sind wir nah dran.

Mit anderen Worten: Das beschriebene Szenario steht möglicherweise bereits auf unserer Türschwelle. Die Frage dürfte daher vielleicht eher sein, ob wir den Einkaufsassistenten in unser Leben lassen wollen?

In diesem Sinne…

Shop.Co - Join the revolution - trafficmaxx

Quellen und Links:

Tipp: Hier kommen Sie zur offiziellen Shop.Co-Website.

Die verwendeten Beitragsbilder stammen im Original von pixabay/gerald, OpenClipartVectors und gleenferdinand.

 
 

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[…] oder gar Witze erzählt. Außerdem fungiert der digitale Assistent als Wecker und natürlich als Einkaufshilfe bei […]

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