Mobile Web: Smartphone wird essenzieller Einkaufsbegleiter

Mobile Web: Smartphone wird essenzieller Einkaufsbegleiter

150 150 Björn Hallmann

smartphone shopping

Studie zeigt die Mobiltelefon-Nutzung in Ladengeschäften

Noch hat Online-Shopping aus der Kundenperspektive mindestens einen eklatanten Nachteil gegenüber dem herkömmlichen Einkauf im Laden – Produkte können nicht unmittelbar in Augenschein genommen und wenigstens rudimentär getestet werden. Hieran könnten insbesondere virtuelle und erweiterte Realität im kommenden Jahrzehnt einiges ändern. Bis es aber soweit ist, zeigen sich auch jetzt schon signifikante Veränderung beim Kaufverhalten. Denn während einige Vorreiter bereits auf Showroom-Konzepte setzen und dem Kunden vor Ort nur noch positive Eindrücke vermitteln wollen, die natürlich im besten Fall zum (Online-)Kauf führen, basteln sich immer mehr Kunden ein solches Angebot mittels Mobiltelefon und der üblichen “Offline-zur Showstellung“ selbst. Gekauft wird dann allerdings häufig woanders.

smartphone online shopDas Mobile Web macht es möglich: Mal eben schnell ein Bild von einem Produkt machen, Freunde um Rat bitten und natürlich den Preis bei anderen Anbietern checken. Außerdem Kommentare und Bewertungen konsultieren sowie den Artikel aufs Genaueste beäugen. Und dann – noch vor dem Verlassen des Geschäfts – wird online beim günstigsten Händler gekauft. Warum sind pure Online-Shops gegebenenfalls preiswerter? Sicherlich auch, weil Sie sich das teure Ladengeschäft mit allem drum und dran nicht leisten (wollen). Mit anderen Worten: Das Smartphone wird zunehmend zum wichtigen Einkaufsbegleiter für Kunden und zum Teufelswerkzeug für so manchen Händler!

Zur Nutzung von Mobiltelefonen im Geschäft gibt es jetzt eine repräsentative Online-Studie des größten deutschen Marktforschungsinstitutes GfK, aus der wir Ihnen im Folgenden einige interessante Fakten zusammengestellt haben.

Ein Viertel vergleichen hierzulande Preise im Laden

GfK-Infografik-Mobiles-Verhalten-in-Geschäften-Laender

Die Infografik der Studie zeigt es bereits, das Vergleichen von Preisen mit dem Mobiltelefon im Geschäft ist mehr als nur beliebt – es gehört vielmehr längst zum Alltag der Kunden und Händler in der gesamten Welt! Während in Südkorea, China und der Türkei bereits mehr als die Hälfte aller Befragten den Online-Vergleich nutzen, sind wir Deutschen da noch etwas zurückhaltender. Allerdings, auch hierzulande liegt die Nutzerzahl bereits bei über 25 Prozent, wobei Männer im Schnitt eher mobil Vergleichen und Frauen noch etwas weniger Affinität zeigen.

Besonders hoch ist der Anteil in Deutschland bei den jüngeren Nutzern. Hier führen die Ergebnisse die 20 bis 29-Jährigen mit 40 Prozent an. Ihnen knapp folgen die 15 bis 19-Jährigen mit 38 Prozent. Die Letzten beißen hier nicht die Hunde, sondern treffen vermeintlich höhere Preise. Hierzu gehören vornehmlich ältere Konsumenten, von denen „nur“ 19 Prozent bei den 40 bis 49-Jährigen sowie jeweils 17 Prozent der 50 bis 59-Jährigen und der 60+ Gruppe vergleichen. Auch wenn die Zahlen für die einzelnen Länder teilweise stark unterschiedlich ausfallen, von der Alters-Tendenz her zeigt sich fast überall ein ähnliches Bild.

Sich mal schnell ein Bild machen

Die kurze Überschrift darf im Folgenden wörtlich genommen werden. Ebenfalls je 25 Prozent der deutschen Frauen und Männer machen nämlich regelmäßig im Laden Fotos von den Produkten, die sie interessieren. Auch hier sind jüngere Konsumenten deutlich aktiver als ältere Kunden.smartphone bild machen

[Nicht Teil der Studie:] Die Händler reagieren darauf zum Teil mit Verboten und drohen unter Umständen mit Hausverweisen. Da die “Ladenhüter“ das Hausrecht besitzen, machen diese sich mit solchen Aktionen vielleicht nicht beliebt, handeln aber rechtlich (in den meisten Fällen) einwandfrei. Problematischer, auch bezüglich eines Preisvergleichs, dürften zumeist ohnehin andere Optionen wie das Scannen von QR-Codes sein. Mal von anderen Bedenken abgesehen, kommt das einfache Austauschen von Produkt-Schnappschüssen mit anderen Menschen eher dem Rat eines Freundes gleich, der mit zum Shoppen genommen wurde. Generelle Verbote erscheinen, insbesondere auch da bereits andere smarte Geräte (Brillen, Uhren etc.) in den Startlöchern stehen, langfristig kaum durchsetzbar. Und ein Hausverbot? Nun, dann wäre ja zumindest dieser Kunde direkt verloren.

„Ich nutze den Telefonjoker!“

Nicht erst seit dem Durchbruch des Smartphones werden Verwandte, Freunde oder Bekannte zur Meinungsbildung beim Einkaufen zurate gezogen. Aber heute geht es besonders schnell und einfach. Darum ist es nicht verwunderlich, dass auch diese Form der Mobilfunknutzung zu den beliebtesten Optionen gehört, um das eigene Shoppingergebnis zu optimieren. Eher überrascht da fast schon, dass die Zahl mit global durchschnittlichen 40 Prozent so niedrig liegt. Wer hat nicht schon mal im Laden gestanden und jemanden angerufen, um sich einen mehr oder weniger qualifizierten Rat einzuholen? Das tun laut Studie ein Viertel der deutschen Befragten regelmäßig.qr-code

Und was weltweit sonst noch so mit dem Mobiltelefon im Laden gemacht wird, das zeigt die nächste Grafik. Beachtlich dabei, jeder Fünfte kauft bereits im Geschäft vor Ort entsprechende Produkte online per App oder Website ein. Getreu dem Motto: “Showrooming“ selbst gemacht. In Deutschland nutzen dies rund 10* bis 14** Prozent der Männer und 7* bis 9** Prozent der Frauen (*Websites, **Apps).

GfK-Infografik-Mobiles-Verhalten-in-Geschäften-Total

 


Kleines Fazit:

Genauso wie sich unsere Realität in den nächsten Jahren mittels digitaler Geräte weiter verändern wird (Stichwort: Augmented Reality), ist es für viele Menschen längst zur Erweiterung des Einkaufserlebnisses durch eben diese Ebene gekommen. Jeder Kunde hat grundsätzlich das Recht, Preise zu vergleichen, andere Menschen um Rat zu bitten und Händler mit dem vermeintlich besseren Angebot zu bevorzugen. Daran wird auch der Einzelhandel vor Ort mit der Anwendung von Verboten, Hausverweisen oder gar technischen Störmechanismen nichts ändern. Ganz im Gegenteil, wenn hier Überzeugungsarbeit für die eigene Dienstleistung erfolgen soll, dann muss der Handel mit mehr Konkurrenz leben lernen und sich die neuen Möglichkeiten selbst zunutze machen. Schwächen beispielsweise durch mangelnde Kentnisse bei Mitarbeitern und auch Führungskräften müssen mit Wissen angereichert und Stärken wie der Kundenbetreuung gepflegt werden.

smartphone analysenGerade wir Deutschen gelten ja als treue Kunden, wenn wir uns vom Verkäufer gut beraten fühlen. Service muss dementsprechend wachsen und das Offline-Einkaufen ein Erlebnis bleiben. Den Kunden die Option zu bieten, alternativ im eigenen Online-Shop einfach sowie preiswert einkaufen zu können, ist für viele Unternehmensbereiche sowieso schon obligatorisch.

Das Mobile Web ist bereits eine fast allgegenwärtige Erweiterung unserer Möglichkeiten – lernen wir lieber mit allen Facetten umzugehen, als es zu verteufeln.

Wenn Sie sich für die gesamte Studie der GfK interessieren, dann finden Sie hier die Pressemitteilung dazu. Diese ist gleichzeitig Quelle der hier im Beitrag verwendeten Infografiken.

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