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„FairCommerce“: Onlinehändler gegen Abmahnmissbrauch. [Infografik]

7. August 2015 in E-Commerce | keine Kommentare

„FairCommerce“: Onlinehändler gegen Abmahnmissbrauch. [Infografik]Es besteht keine Frage darüber, dass es gute Gründe für Abmahnungen gibt – auch oder gerade durch die jeweilige Konkurrenz. Dennoch sollten Abmahnwellen nicht das erste Mittel der Wahl sein. Andernfalls artet das Ganze in regelrechten Missbrauch aus.

Und um ungerechtfertigten Abmahnungen entgegenzuwirken, hat der Händlerbund eine Initiative mit dem Titel „FairCommerce – gegen Abmahnmissbrauch“ ins Leben gerufen.

Wir haben uns das Projekt mal angesehen und zeigen nun, worum es dabei geht. So viel sei schon einmal verraten: FairCommerce erntet jede Menge Zustimmung der Verbandsmitglieder.

Online-Shops von immer mehr Abmahnungen betroffen.

Die Initiative FairCommerce ist aus einer Entwicklung heraus entstanden, die der Händlerbund selber ausgiebig untersucht hat. So zeigt die Studie „Abmahnungen im Jahr 2014“ wie stark das Problem mit den Abmahnungen im Verlauf eines Jahres zugenommen hat und wie viele Online-Händler mittlerweile betroffen sind.

FairCommerce - Abmahnungen pro Jahr 2014 - trafficmaxx

Mit 29 Prozent flatterte fast jedem dritten befragten Händler 2014 mindestens eine Abmahnung ins Geschäft. Bei der Mehrheit blieb es bei einer Abmahnung. 22 Prozent hatten es allerdings bereits mit 2 bis 4 „roten Karten“ zu tun. Tendenz -> steigend!

Gründe für die Abmahnungen waren mit zusammen 77 Prozent vor allem drei Verfehlungen:

  • Verletzungen des Wettbewerbsrechts allgemein
  • Verletzung des Markenrechts
  • Verletzungen des Urheberrechts

Weitere Abmahngründe (23 Prozent) waren:

  • Kennzeichnungspflicht
  • Garantie bei eBay
  • Textilkennzeichnungspflicht
  • Grundpreisangabe
  • Verletzungen des Widerrufsrechts

Reelle Gefahr, die an die Substanz eines Online-Shops gehen kann.

Wie unschön die Situation insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ist, die ggf. sogar durch Abmahnungen in ihrer Existenz bedroht sein können, zeigen auch die Kosten einer Abmahnung. Dazu hier die Grafik aus der genannten Händlerbund-Studie:

FairCommerce - Abmahnkosten - trafficmaxx

Die Ergebnisse zeigen eines ganz deutlich, Abmahnungen sind eine reelle Gefahr für Online-Shops und hier ist ein Onlinehändlerverband wie der Händlerbund natürlich gefragt. Dementsprechend wurde die Initiative FairCommerce ins Leben gerufen. Nicht weil der Bund generell gegen Abmahnungen ist, sondern um einem regelrechten Missbrauch entgegenzuwirken und um für ein faires Miteinander in der E-Commerce-Branche einzutreten. Eine Position, die viele Mitglieder der Interessenvertretung genau so sehen und sofort unterschreiben würden.

Ziel unserer Initiative ist ein fairer Wettbewerb. Das bedeutet für mich auch ein fairer Umgang zwischen den Händlern. Fehler sollten schnell und ohne Kosten beseitigt werden können. – Andreas Arlt, Bundesvorsitzender Händlerbund.

96 Prozent der Händler wollen sich der FairCommerce anschließen!

Wie soll ein Online-Händler beispielsweise mit einem Konkurrenten umgehen, der gegen geltendes Recht verstößt und dabei auch noch von Wettbewerbsvorteilen profitiert?

Ganz klar, der Betreffende muss abgemahnt werden! Sein Verstoß schadet letztendlich auch mir als Händler. Aber vielleicht sollte der Hinweis auf den Verstoß in einer Art und Weise erfolgen, in der auch ich selber als Online-Händler bei einem Vergehen angesprochen werden möchte – nämlich zunächst ohne kostenpflichtige Abmahnung!

Und das in etwa sehen auch 99 Prozent der befragten Mitglieder des Händlerbundes so, wie die nachfolgende Infografik zeigt.

Händlerbund Infografik

Teilnehmen kann jedes Mitglied des Händlerbundes, dass die „Teilnahmeregeln der Initiative FairCommerce“ ausdrücklich anerkennt – und das wollen immerhin 96 Prozent der Befragten. Die Erklärung dazu wird im persönlichen Mitglieder-Account abgegeben.

Händlerbund - Mitglieder FairCommerce - trafficmaxxFazit: Und was bringt die Initiative des Händlerbundes letztlich?

Nun, die logische Antwort auf die Frage muss wohl lautet: Das wird sich erst zeigen müssen. Aber – und auch das „Aber“ darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen – aber immerhin stehen die Teilnehmenden untereinander unter einem Schutz vor direkten kostenpflichtigen Abmahnungen.

Wer sich FairCommerce anschließt, erklärt sich dazu bereit, andere teilnehmende Mitglieder zunächst formlos im Sinne der Initiative auf bestehende Rechtsverletzungen inklusive entsprechender Forderungen (keine Abmahnkosten!) hinzuweisen. Eine unmittelbare kostenpflichtige Abmahnung kann durch die ausdrückliche Anerkennung der Teilnehmerregeln nicht geltend gemacht werden.

Soweit so gut. Bleibt natürlich das Problem, dass Sie als Händler immer noch von „Nicht-Teilnehmern“ und sogenannten Abmahnanwälten abgemahnt werden können. Aber vielleicht ist die Maßnahme des Händlerbundes, der immerhin über 40.000 geschützte Online-Präsenzen betreut, für die ganze Branche zukunftsweisend. Wünschenswert für ein faires Miteinander wäre es jedenfalls.

Händerbund - Eckdaten - trafficmaxx

Quellen und Links:

Der offizielle Beitrag zur Initiative FairCommerce.

Studie „Abmahnungen im Jahr 2014“, aus der auch die Grafiken stammen.

Die Fragen und Antworten zu FairCommerce.

 
 

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