Chancen im Online-Handel: Deutliches Potenzial für KMU!

Chancen im Online-Handel: Deutliches Potenzial für KMU!

150 150 Björn Hallmann

Die Expertinnen des E-Commerce-Center Köln (kurz ECC Köln, Online-Abteilung der IFH Institut für Handelsforschung GmbH in Köln) beschäftigen sich in einer aktuell vorgestellten Studie mit dem mittelständischen Handel. Titel und Eingangsfrage: „Handel im Mittelstand: Wohin geht die Reise?“ Eine ausgesprochen spannende Frage, wo sich doch das Einkaufsverhalten der Konsumenten einem starken Wandel hin zum Online-Shopping unterzogen hat. Dargestellt werden soll sowohl der Status quo als auch die Perspektiven des KMU-Handels.

ECC Köln Stuide7

Dementsprechend zeigt die erste Grafik der Umfrage die derzeitigen Vertriebswege der befragten Einzelhändler, die aus den verschiedensten Branchen wie Fashion & Accessoires, Wohnen und Einrichten und Consumer Elektronics stammen.

Vertriebswege - ECC Köln Studie

Mehr als die Hälfte der insgesamt 386 befragten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzen (noch) auf den rein stationären Handel, knapp 15 Prozent sind Multi-Channel-Händler und bald ein Drittel gehören zu den sogenannten Online-Pure-Playern.

Großteil der KMU setzen auf den stationären Vertrieb

Soweit zum Status quo. Doch warum betreibt die Mehrheit keinen Online-Shop, wenn es doch jedes Jahr aufs Neue aus der Wirtschaft heißt, dass der Umsatz im Online-Handel weiter signifikant (z. T. auf Kosten des stationären Handels) gestiegen und die Aussicht auf noch höhere Gewinne gegeben ist? Das wurden ähnlich auch die knapp 57 Prozent der rein stationären Händler gefragt und die überwiegende Mehrheit (ebenfalls 57 Prozent) plant auch in Zukunft kein zusätzliches Online-Angebot einzuführen. Die Hinderungsgründe:

  • Zeit
  • Kosten
  • Nicht lohnenswert
  • Fehlende Produkteignung
  • Fehlendes Know-how
  • Mangel an geschultem Personal
  • Unternehmensphilosophie
  • Rücklaufquoten
  • Keine Herstellergenehmigung

Der Zeit- und Kostenfaktor ist gefolgt von der geringen Aussicht auf angemessene Gewinne, der fehlenden Produkteignung sowie dem Mangel an Know-how der häufigst genannte Problembereich. Da den KMU durchaus bewusst ist, dass ein massiver Wandel im Einkaufsverhalten der Konsumenten stattgefunden hat – so beklagen beispielsweise allein 60 Prozent der Händler mit Innenstadtlage einen Frequenzrückgang – und dieser auch noch längst nicht abgeschlossen zu sein scheint, stellt sich doch die nächste Frage: Welche Maßnahmen wollen die Händler ergreifen, um auch zukünftig konkurrenzfähig zu bleiben? Dass der stationäre KMU-Handel geeignete Maßnahmen ergreifen muss, darin ist sich zumindest eine deutliche Mehrheit (über 82 Prozent) der befragten Händler einig.

Maßnahmen - ECC Köln Studie

Maßnahmen gegen den Frequenzrückgang – sinnvoll, ausreichend, keine geplant?

Immerhin knapp 40 Prozent der befragten Händler wollen Maßnahmen gegen den Frequenzrückgang, der sämtliche Bereiche des stationären Handels unterschiedlich stark betrift, über das Internet starten. Über 70 Prozent setzen (auch) auf Maßnahmen im stationären Handel. Fraglich? – ein Sechstel beabsichtigt, überhaupt keine Maßnahmen gegen den Rückgang einzuleiten. Und das sind auszugsweise die Lösungsansätze der Befragten in einer Grafik der Studie:

Maßnahmen gegen Frequenzrückgang - ECC Köln Studie

Motto: Die Vorzüge des stationären Handels nutzen und weiter intensivieren!

Eine vergleichsweise große Anzahl an stationären Händlern wollen also kaum bis gar nicht online in Erscheinung treten. Gesetzt werden soll stattdessen noch intensiver auf die Stärken des traditionellen Ladengeschäfts. Die Strategien zielen auf eine hochwertige und umfassende Beratung (über 81 Prozent), ein atmosphärisches/emotionales Einkaufserlebnis (über 66 Prozent) oder auch das Bedienen lokal spezifischer Bedürfnisse (über 65 Prozent) ab. Deutlich weniger überzeugt, scheinen die Befragten davon zu sein, dass sie in dem Bereich Sortiment (weniger bekannte, aber margenstarke Marken) oder mit günstigeren Preisen gegenüber dem Online-Handel punkten können.

Insbesondere der Aspekt des besonderen Einkaufserlebnisses ist für die stationären Händler der Bereich, bei dem Sie sich in der Sicherheit wiegen, dass Online-Shops dies Ihren Kunden niemals in der Form bieten werden können. Aus diesem Grund glauben dann wohl auch mehr als Zweidrittel der Befragten, dass dieser Punkt maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg eines stationären Geschäfts entscheiden wird. „Lediglich“ knapp 53 Prozent sind der eindeutigen Auffassung, dass nur jene Händler dauerhaft erfolgreich sein werden, die Ihre Kunden auf allen verfügbaren Ebenen (online, mobil, stationär) ansprechen. Auch bargeldloses Bezahlen per Smartphone sieht eine signifikante Anzahl der Befragten (knapp 20 Prozent) nicht als „zukünftige Normalität“, ebenso wenig wie Same-Day-Delivery oder Showrooming.

Strategien der Händler - ECC Köln Studie

Etwas widersprüchlich erscheint dabei die Ansicht, der an der Studie beteiligten Händler (94 Prozent), dass die Bedeutung mobiler Endgeräte noch deutlich zunehmen wird. Wozu, könnte man fragen, wenn beispielsweise nicht für bargeldloses Bezahlen oder sofortige online Bestellungen (Stichwort: Showrooming)?

 


Kleines Fazit:

Es ist natürlich nicht an den befragten Händlern vorbei gegangen, dass der Online-Handel immer stärker an Gewicht gewinnt und auch weiterhin gewinnen wird. Ebenso ist ihnen nicht entgangen, dass sich der stationäre Handel, um auch zukünftig erfolgreich wirtschaften zu können, weiterentwickeln muss – der Lösungsansatz lautet hier: Auf die eigenen Stärken setzen, die der Online-Handel derzeit kaum bis gar nicht abbilden kann. Doch die vermeintlich logische Fixierung beispielsweise auf ein atmosphärisches Einkaufserlebnis muss zum einen auch erst einmal umgesetzt werden können. Hierzu werden natürlich ebenfalls verschiedenste Ressourcen von Nöten sein (Know-how, Manpower, finanzieller Rahmen). Und zum anderen bleibt natürlich die Frage, ob Online-Shops diese Vorzüge langfristig nicht doch anbieten werden können? So lässt sich derzeit wohl noch recht schlecht absehen, welchen Einfluss beispielsweise VR-Brillen auf die Entwicklung im Online-Handel haben werden. Und damit ist nur ein technologisches Potenzial genannt, dass bereits in den Startlöchern steht.

Der stationäre Handel wird in Zukunft … - ECC Köln Studie 5

Ohne Frage werden diverse Branchen im Einzelhandel im Bereich der KMU noch eine Weile ohne Multi-Channel-Handel auskommen. Doch so gänzlich ohne Anbindung ins Netz auch langfristig erfolgreich wirtschaften zu wollen, dürfte für viele Bereiche kaum eine ratsame Strategie sein. Sich als stationärer Händler auf zum Beispiel die Befriedigung lokaler Konsumenten-Bedürfnisse zu spezialisieren, kann freilich eine wirtschaftlich gute Perspektive liefern. Doch warum dabei die Chancen des Internets links liegen lassen? Lokale Online-Werbung und die Pflege von Brancheneinträgen müssen nicht zwangsläufig selbst verwaltet werden, können aber einiges bewirken. Im Minimum informiert eine kleine Website interessierte Kunden über das Unternehmen. Die Anschrift, eine Wegbeschreibung, aktuelle Öffnungszeiten, Events, die Historie oder Sonderangebote – gerade mobil nutzen immer mehr Menschen die Chancen sich schnell zu informieren.

Es soll mehr auf ein atmosphärisches Einkaufserlebnis mit beispielsweise tollen Events gesetzt werden? Toll für die Verbraucher! – aber warum nicht auch online darüber informieren, darüber berichten, es archivieren, jederzeit wieder abrufbar machen? Warum die investierten Ressourcen nicht nachhaltiger nutzen? Auch die angepeilten „offline“ Maßnahmen der befragten Händler werden ganz gewiss einiges an Zeit, Geld, Personal und Know-how benötigen. Bei der Verteilung dieser Ressourcen sollten „online“ Maßnahmen nicht ohne Weiteres ausgeblendet werden.

Wohin geht die Reise - ECC Köln Studie 6

Die gesamte Studie steht unter diesem Link zum freien Download bereit. Informationen zum ECC Köln finden Interessierte hier.

Hinterlasse eine Antwort