Werber planen juristische Schritte gegen Adblock Plus

Werber planen juristische Schritte gegen Adblock Plus

150 150 Björn Hallmann

Viele Internetnutzer verwenden das bekannte Browser-Plug-In Adblock Plus, um sich vor übermäßigen Werbeanzeigen im Netz zu bewahren. Doch sind Adblocker aus rechtlicher Perspektive unbedenklich oder beeinflussen sie den Wettbewerb?

Unzulässige Wettbewerbsverzerrung und Marktbeeinflussung?

adblock plus Special Logo

Dass sich der Werbeblocker einer so großen Bekanntheit erfreut, liegt u. a. auch an einigen misslungenen Gegenkampagnen der Werbevermarkter, die letztlich die öffentliche Aufmerksamkeit stark auf das Angebot des Plug-Ins lenkten. Die Kritik an Adblock Plus nahm im letzten Jahr dann noch einmal deutlich zu, als publik gemacht wurde, dass der Hersteller nicht generell jede Werbung blockiert, sondern unter gewissen Bedingungen, und vor allem geflossenen Zahlungen, bestimmte Werber und deren Werbeplätze ignoriert. Der wohl namhafteste Kunde dieser Art ist kein geringerer als Google selbst. Berichten zur Folge (heise online, 31.01.14) sollen bis zu 25 Millionen US-Dollar von dem Internetriesen gezahlt worden sein, damit die eigene Werbung unter Einhaltung der Vorgaben („Acceptable Ads“) nicht herausgefiltert wird. Von einer Wunschpartnerschaft kann zwar hier nicht die Rede sein, welches Machtpotenzial aber in dem Werbeblocker steckt, wird durch das Beispiel schnell deutlich. Für die Werber, die sich nicht auf die Vorgaben von Eyeo, den Machern von Adblock Plus, einlassen wollen, riecht das ganze Vorgehen natürlich stark nach Wettbewerbsverzerrung und mindestens fragwürdiger Marktbeeinflussung. Doch ist dem auch so?

Acceptable Ads – das „erlaubte“ Maß der Dinge

adblock plus acceptable ads

Was das Browser-Plug-In „AdBlock Plus“ unter „acceptable ads“ konkret versteht erfahren Sie hier: https://adblockplus.org/de/acceptable-ads

Die Frage nach der Marktbeeinflussung konnte bislang nicht adäquat geklärt werden. Laut Werbevermarkter können durch den Werbeblocker bis zu 60 Prozent der Werbeeinnahmen einer Website wegfallen. Das ist insbesondere für die Seiten ein großes Problem, die sich hauptsächlich über die Einnahmequelle finanzieren und ansonsten kostenfreie Inhalte für ihre Nutzer anbieten. Dieses Problem haben die Macher nach eigenen Aussagen zur Kenntnis genommen und Kriterien entwickelt unter denen nicht störende Werbung von ihrem Plug-In verschont wird. Zu diesen Bedingungen gehören bspw., dass keine Animationen oder Soundelemente verwendet werden dürfen. Wichtig ist auch, dass der Seitenaufbau entsprechend der Vorgaben nicht maßgeblich beeinträchtigt werden darf. Die offiziellen Informationen der Acceptable Ads-Funktion, die vom Nutzer übrigens auch jederzeit deaktiviert werden kann, finden Sie hier.

Saubere Whitelist oder massive Wettbewerbsverzerrung?

Studie zu Adblock Plus

Das Rechtsgutachten der Universität Münster kommt zu dem Ergebnis: Adblocker gefährden den Wettbewerb nicht!

Trotz des leichten Entgegenkommens von Eyeo betrachten viele Werbevermarkter das Vorgehen als Wettbewerbsverzerrung. Derzeit planen deshalb mehrere große Online-Werbevermarkter wie Axel Springer Media Impact oder SevenOne Media (Prosieben, Sat. 1) juristisch gegen Adblock Plus vorzugehen (FOCUS 06/2014). Eyeo verweisen hingegen auf ein Rechtsgutachten von Professors Thomas Hoeren (Universität Münster), der den Vertrieb des Werbeblockers als wettbewerbsrechtlich unbedenklich einstuft. Grund für dieses Ergebnis ist die Tatsache, dass die Nutzer von Adblock Plus selber über den Einsatz des Werbeblockers entscheiden und somit keine Wettbewerber gezielt behindert werden. Zudem sieht der Jurist keine spürbare Marktbeeinflussung durch die Verwendung des Plug-Ins. Also doch technische Maßnahmen gegen den Blocker ins Gefecht führen?

Ein Anti-Adblocker auch weiterhin heiß begehrt

Bereits im letzten Jahr berichteten wir von der Bestrebung eines Start-up-Unternehmes einen Anti-Adblocker ins Rennen zu schicken. Tatsächlich scheint aber bislang wenig aus dem ehrgeizigen Projekt geworden zu sein. Nichtsdestotrotz läuft auch die Maschinerie auf der technischen Ebene auf Hochtouren. Für die Werbevermarkter geht es um bare Münze und für manch eine Website vielleicht sogar um die Existenzgrundlage. Wem es gelingt, einen brauchbaren Anti-Adblocker zu basteln, dem winken nicht nur verloren gegangene Werbeeinnahmen, sondern auch jede Menge Prestige und vielleicht sogar eine völlig neue Einnahmequelle.

Anti AdBlock Logo

Quelle: www.onlinemarketing.de

Ebenfalls empfehlenswert zum Thema der entsprechende Artikel auf heise online.

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