Facebook: Kampf gegen Clickbaiting – Verweildauer wird noch stärkerer Rankingfaktor

29. April 2016 in Social Media | keine Kommentare

Facebook Keyboard Like DislikeReißerische Überschriften, Bilder und Videoausschnitte sind elementarer Bestandteil vieler Content-Strategien. Mit „Die 10 wichtigsten Aspekten hier“ und „Die 5 einfachsten Tricks da“ werden haufenweise Nutzer auf verschiedenste Websites geködert. Dem sogenannten Clickbaiting will Facebook nun (erneut) den Kampf mithilfe der Verweildauer ansagen.

Was genau dahinter steckt und wer davon profitieren könnte, erfahren Sie im Folgenden!

Clickbaiting ist Mittel zum Zweck oder einfach nur nervtötend.

Dass Schocker, Übertreibungen und Provokationen viele Menschen neugierig machen, ist nicht erst seit der Entwicklung des Internets bekannt. Namhafte Tageszeitungen verdienen bekanntlich vornehmlich an „fetten Überschriften“ und „dünnen Inhalten“. Und auch im Netz gibt es diverse größere und kleinere Websites, die durch reißerische Titel, Bilder oder kurze Videoausschnitte um die Gunst potenzieller Besucher buhlen. „Clickbaiting“ nennt sich das Ganze insbesondere dann, wenn im Anschluss an den gewünschten Klick des Nutzers vornehmlich dünne Inhalte folgen.

Ein entscheidender Unterschied zum kurzen Blick auf weniger bildende Zeitungen am Kiosk ist, dass die klickende Interaktion unter Umständen bereits ein positives Ranking-Signal für Plattformen wie Facebook sein kann. Und das wiederum führt gegebenenfalls dazu, dass die Angebote von eher weniger gehaltvollen Websites bevorzugt im Newsfeed oder in Suchergebnislisten landen. Das gefällt logischerweise nicht jedem Nutzer und dementsprechend auch nicht jeder Plattform.

Screenshot Website: heftig.co

Beiträge bei heftig.co. Der Anbieter des „Heftigstyles“ hat nicht wenige Fans.

Verweildauer soll mehr Qualität in den Newsfeed bringen.

Um das qualitative Niveau des Newsfeeds zu erhöhen, setzt Facebook auf ein internes Feed Quality Programm, bei dem es vor allem um Nutzererfahrungen geht. Ergebnis: Die Facebook-User wollen unter anderem gehaltvollere Artikel präsentiert bekommen und weniger Clickbaiting. Ergo: Der Social Media-Primus muss an der Algorithmus-Stellschraube drehen und nimmt aktuell erneut Veränderungen zugunsten der Verweildauer vor.

Das ist nichts ganz Neues. Bereits 2014 hatte Facebook angekündigt, energischer gegen Clickbaiting vorzugehen und damit das Niveau des eigenen Newsfeeds zu erhöhen. Auch damals war neben intensiveren Auswertungen von sozialen Signalen wie Kommentaren, Likes und Weiterempfehlungen der entscheidende Ansatz, die Lesezeit beziehungsweise die Verweildauer zum wichtigeren Ranking-Faktor werden zu lassen. Allerdings sind hier offenbar immer noch weitere Feintunings notwendig.

Facebook Newsroom

Im aktuellen newsroom-Post der Facebook-Mitarbeiter Moshe Blank und Jie Xu berichten die beiden darüber, dass zukünftig noch stärker darauf geachtet werden soll, wie lange sich Nutzer mit den Instant Articles oder Inhalten auf dem mobilen Facebook-Browser beschäftigen. Diesbezüglich wird die Ladezeit natürlich keine Berücksichtigung finden, ebenso wenig wie Artikel, die auf anderen Browsern gelesen werden.

Der Facebook EdgerankWer profitiert von den Algorithmus-Änderungen?

Oder: Wie lange liest der durchschnittliche Facebook-Nutzer einen weniger gehaltvollen Beitrag beziehungsweise wie lange braucht der User bis er den Köder als solchen erkannt hat und wieder abspringt? Sicherlich interessante Fragen, die wohl nur individuell so präzise beantwortet werden können, dass dabei nutzbare Ergebnisse herauskommen. Aber Individualisierung ist ja auch bei Facebook ein großes Thema. Dementsprechend nehmen wir einfach an, dass die Änderungen von Erfolg gekrönt sind und Clickbaiting zunehmend aus dem eigenen Newsfeed verschwindet.

Im entsprechenden Artikel bei heise.de ist zu lesen, dass die Profiteure vermutlich Anbieter von hochwertigen und seriösen Inhalten wären. Die Nutzer lesen die Beiträger länger und intensiver, wodurch diese höher im Newsfeed ranken und wiederum besser gefunden werden können. Schlechte Zeiten also für den Boulevardstil im Netz?

Im Prinzip wurde das gleiche Ziel auch schon 2014 angestrebt. Clickbait-User wie heftig.co und andere belächelten die Maßnahme eher und sahen die eigenen Angebote nicht in der Bredouille.

Werfen wir also mal spaßeshalber einen Blick auf die Zahlen bei heftig.co. Vor zwei Jahren lag der Traffic laut SimilarWeb, der über Social Media erzielt wurde, bei rund 85 Prozent. Heute kommt die Website auf 89 Prozent – 99 Prozent per Facebook!

SimilarWeb - Social Media - heftig.co

Übrigens stieg gleichzeitig die Zahl der Besuche um ca. 2,4 Millionen. Also noch mehr Facebook-Nutzer, die sich blenden ließen, oder kamen jede Menge User einfach häufiger? Und rund 2,14 Millionen Facebook-„Fans“ sind ja auch kein Pappenstiel.

Fazit: Die weitere Entwicklung abwarten!

Generell lohnt sich Clickbaiting vor allem dann, wenn die eigene Zielgruppe darauf anspringt und die entsprechenden Inhalte mindestens unterhaltsam findet. Das Angebot muss nicht jedem gefallen und gerade bei Facebook können die Nutzer problemlos unliebsame Angebote jederzeit dauerhaft aussortieren. Wer dennoch immer wieder boulevardartige Anzeigen im Newsfeed vorfindet, scheint offenbar darauf anzuspringen. Ergo: Der Konsum findet statt, die Verweildauer lässt den Algorithmus Interesse vermuten.

Die Entwicklung von heftig.co scheint, vorsichtig gedeutet, eher darauf hinzuweisen, dass hier ein echtes Interesse bei nicht wenigen Facebook-Nutzern vorliegt. Gespannt darf man darauf warten, ob sich nach den Algo-Änderungen ein anderes Bild abzeichnen wird oder ob die Angebote schlicht viele Menschen ansprechen – Clickbait hin oder her.

Eigene Strategien flugs zu ändern, dürfte diesbezüglich keine sinnvolle Vorgehensweise sein. Warten Sie lieber ab, wie sich Ihre Reichweiten und Trafficzahlen entwickeln. Behalten Sie dabei aber im Kopf, woran Kursverluste im Falle des Falles liegen könnten.

Facebook Newsfeed Post Verteilung 2015

Kleiner Hinweis: Der Anteil der sogenannten Page Posts lag 2015 bei rund 24-29 Prozent. Der überwiegende Teil im Newsfeed resultiert aus Nutzerinhalten. Von den Page Posts stammen wiederum viele aus zuvor gelikten Angeboten, sodass der Anteil an „empfohlenen“ Posts vergleichsweise gering ist. Mit anderen Worten: Wollen Sie auffallen, insbesondere wenn Kosten gering gehalten werden sollen, müssen Sie schon in die Trickkiste greifen – und ein probates Mittel sind unter Umständen reißerische Titel, Bilder und Videoclips.

Das heißt aber ja nicht, dass die sich dahinter verbergenden Inhalte nicht halten müssen, was der Post anteasert.

Quellen und Links:

Zu erst gelesen auf heise.de.

Weitere Daten gibt’s u. a. bei socialbakers.com (Quelle Newsfeed-Grafik).

Die Daten von heftig.co von vor 2 Jahren stammen aus diesem Beitrag.

Titelbild stammt von pixabay/gerald.

 
 

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