Google Keyword Planer: Unangenehmes Update fasst Nutzer-Statistiken zusammen!

25. Juli 2016 in Online Marketing | keine Kommentare

Google Sommerloch OffensiveEs ist nicht unbedingt schön, was sich Google mit dem neuen Update für den Keyword Planer hat einfallen lassen. Fortan werden Suchvolumina zusammenhängender Keywords und Phrasen zu größeren Clustern aufsummiert und entsprechend intransparent ausgegeben.

Wir haben uns das Update von Ende Juni mal angesehen und den aktuellen Stand der Dinge zusammengetragen.

Keyword Planer mit (noch) weniger Transparenz.

Google Keyword PlanerWer schon mit dem Keyword Planer in Google AdWords gearbeitet hat, der weiß, dass die Daten wie zu den durchschnittlichen Suchanfragen pro Monat ohnehin nicht allzu genau und eher als Trend zu verstehen sind. Nichtsdestotrotz liefern die Ergebnisse wichtige Informationen für SEA-Kampagnen, Keyword-Recherchen und ganzheitliche SEM-Strategien. Dementsprechend nutzen die „Ideen“ des Keyword-Planers nicht nur SEAs für Ihre Kampagnen, sondern auch SEOs und andere Optimierungswillige.

Doch der Nutzen des kostenlosen Angebots wurde mit dem letzten Update Ende Juni (Rollout in den USA war etwas früher) deutlich verringert. Jetzt fasst der Keyword Planer zusammenhängende Keywords nach bestimmten Vorgaben zu Suchvolumina-Clustern zusammen. Das heißt, dass die Volumina signifikant steigen – laut ersten Untersuchungen bis zum 4-Fachen vorheriger Ergebnisse – und einzelne Suchvolumen überhaupt nicht mehr angezeigt werden.

Eine wirklich unangenehme Entwicklung, die wenig hilfreich ist, insbesondere wenn ausschließlich auf einzelne Keywords oder Phrasen hin optimiert werden soll beziehungsweise optimiert werden muss. Letzteres trifft beispielsweise zu, wenn kleinere Websites oder Shops versuchen, gegen die Platzhirsche durch fleißige Nischenarbeit zu punkten.

Google QualitätsrichtlinienWie clustert Google die Suchvolumina?

Eine entscheidende Frage nach dem Update muss nun lauten: Wie fasst der Keyword Planer die entsprechenden Suchvolumina zusammen? Nach welchen Gesetzmäßigkeiten geht das Tools dabei vor?

Singular & Plural

Keyword Planer: Butterblume(n)

Elementar scheint das Zusammenlegen von Suchvolumen bei Singular und Plural-Formen zu sein. So wäre es demnach egal, ob Sie als Gärtner auf „Butterblume“ oder „Butterblumen“ optimieren. Beide besitzen als Cluster ein Suchvolumen von 8.100. Allerdings kann es bei der Suche potenzieller Besucher oder Kunden durchaus eine Rolle spielen, ob die Einzahl oder Mehrzahl eines Begriffes genutzt wird. Tendenziell verwenden Suchende die Singular-Form gern bei Recherchen nach Informationen. Beispiel: (Was ist ein) Bohrhammer? Der Plural hingegen wird oft genutzt, wenn bereits Kaufinteresse besteht und eine Auswahl der Produkte angezeigt werden soll. Beispiel: Bohrhämmer (kaufen).

Keyword Planer: Bohrhammer/BOhrhämmer

Außerdem kann es deutliche Unterschiede beim Google Ranking zwischen den Varianten geben – es sei denn, Google egalisiert auch hier demnächst, was einem Erdrutsch durch die SERPs gleich käme und wohl immense Verwerfungen bei den Rankings zur Folge hätte. Gruseliges Szenario.

Akronyme (Kurzwörter)

Des Weiteren fasst der Keyword Planer laut dem US-Magazin TheSEMPost offenbar auch Akronyme mit den jeweiligen Begriffen zusammen. Das scheint allerdings entweder noch nicht gänzlich in Deutschland angekommen zu sein oder nur auf bestimmte Begriffe zuzutreffen. Wir haben diverse Tests mit beispielsweise EM – Europameisterschaft, Azubi – Auszubildender, Schiri – Schiedsrichter oder Auto – Automobil durchgespielt und hier gibt es aktuell noch immense Unterschiede und keine aufsummierte Gleichschaltung der gespielten Keyword-Varianten.

Aber das verheißungsvolle Beispiel des Magazins ließ sich auch hierzulande bereits reproduzieren:

Keyword Planer: SEO

Suffix (Wortendungen)

Auch im Deutschen setzen sich Wörter bekanntlich aus einem Stamm und bestimmten Affixen zusammen. Allein Suffix-Änderungen, also die jeweiligen Wortendungen eines bestimmten Stammes können natürlich große Bedeutungsunterschiede aufweisen. Das scheint Google im Keyword Planer in Zukunft etwas „gleichgültiger“ zu sein. Dementsprechend clustert das Tool beispielsweise fortan „Designs“ und „designen“ (zusammen 40.500 Suchanfragen/Monat) – in den USA kommen sogar bereits weitere Begriffe mit in das Keyword-Knäuel wie „Designer“.

Keyword Planer: Designer

Leerzeichen, Bindestriche etc.

Auch Leerzeichen, Bindestriche und Zeichen wie Apostrophe können verschiedene Schreibweisen oder gar Begriffe markieren, die nun gegebenenfalls vom Keyword Planer mit dem zusammengeschriebenen Begriff gruppiert werden. Wir haben das unter anderem mal mit den Keyword-Varianten zu „Fahrradzubehör“ und „Autoteile“ ausprobiert und siehe da, es funktioniert.

Keyword Planer: Fahrradzubehör

Während Fahrradzubehör noch „allein“ steht, sind die auseinandergeschriebenen Schreibweisen mit und ohne Bindestrich wie gehabt in einem Pool. Bei „Autoteile“ – spaßeshalber inkl. Singular und Falschschreibung – packt das Tool hingegen alles in einen Topf durchschnittlich monatlicher Suchanfragen:

Keyword Planer: Autoteile

Bild John Müller Google Webmaster HangoutWas sagt Google zu den Änderungen?

Bei der wöchentlichen Fragerunde der Google Webmaster wurde John Müller sinngemäß gefragt, wie beispielsweise Kleinunternehmer und Nutzer des Keyword Planers alternativ an die vor dem Update frei zugänglichen Daten kommen können, wenn nicht durch Google selbst. Gerade Nischen-Optimierungen leben von den kleinen, aber feinen Unterschieden zwischen sich ähnelnden Begriffen und Schreibweisen. Die Antwort:

“Okay, good feedback, in short we need to think about what we could do there.  It’s always tight because the Search Console team always has lots of other things that are really important and interesting to do.  I’d also give this feedback to the AdWords team as well, just so that they are kind of aware of that.  I imagine they are seeing you guys tweet about this as well.” – John Müller, Google Schweiz.

Außerdem weißt Müller darauf hin, dass es sich beim Planer um einen Teil von Google AdWords handelt und damit vornehmlich der Planung von SEA-Kampagnen und nicht als Search-Tool dient. Hier bei Interesse das ganze Video der aktuellen Fragestunde:

Mit anderen Worten: Während SEOs und größere Spieler in den SERPs dank entsprechendem Know-how und teils teuren Tools auf alternative Quellen zurückgreifen können, um den erneuten Verlust der Genauigkeit im Keyword Planer zu kompensieren, dürfen „kleinere“ Webmaster und Unternehmen (dauerhaft?) in die Röhre gucken.

Was soll das Google Update eigentlich bewirken?

Im schönsten Marketingsprech geht’s dem Internetriesen vor allem darum, dem Nutzer das beste Suchergebnis zu bieten. Soweit so gut, aber darauf weist weder die Bildung der Keyword-Cluster noch die Egalisierung der CPCs hin. Was also soll das Update bringen?

Keyword Planer: Autoteile + CPC

Wie der Herr Müller von Google betont, dient der Keyword Planer in erster Linie der besseren Schaltung von AdWords-Kampagnen. Er verweist also auf die eigentliche Herkunft und den hauptsächlich angedachten Verwendungszweck des Tools und der mitgelieferten Daten. Und hier könnte Google dann auch ganz schnöde monetär ordentlich verdienen. Durch die Cluster gehen die Suchvolumen signifikant nach oben und sämtliche CPC-Kosten werden gleichgeschaltet.

Heißt, der gemeine AdWords-Nutzer weiß nun gegebenenfalls weder, welches Keyword oder welche Suchphrase für seine Kampagne tatsächlich wertvoller ist, noch kann er wohl auf eine der Varianten verzichten, wenn er seine Anzeigen sicher platzieren will. Also bietet er im Zweifelsfall auf alle potenziellen Suchanfragen im entsprechenden Cluster und zahlt dafür stets den hohen CPC-Wert des egalisierten Suchvolumens (siehe Screenshot „Autoteile“ oben).

Ende der Geschichte -> Die bezahlte Suche bringt Google mehr Geld ein.

Fazit: SEA und SEO werden (wieder mal) ein Stück weit komplizierter!

Google bittet also offenbar mit dem Update zur Kasse. Darunter leiden aber nicht nur die Kosten beim Suchmaschinenmarketing, sondern auch Recherchen zur entsprechenden Nachfrage innerhalb der Zielgruppe. Während größere und langjährige AdWords-Kunden wohl auf einen Schatz gesammelter Daten zurückgreifen können, sind Neulinge und „kleinere“ Nutzer erst einmal auf das Experimentieren mit nebeligen Kosten-Nutzen-Relationen (Stichwort: Impressionen) angewiesen.

Ein Vorteil entsteht nicht englisch-sprachigen Gemeinschaften, da Google bei anderen Sprachen – insbesondere dem Deutschen – immer etwas länger braucht, um entsprechende Ansätze konsequent zu verfolgen. Sie haben also mit etwas Glück noch ein wenig Zeit, wichtige Datensätze aufzubauen und nutzbar zu machen. Langfristig könnte dann auch bei uns der Unterschied zwischen beispielsweise Auto, Automobil, Pkw etc. verschwinden. 🙁

Keyword Planer: Auto, Pkw, Kfz usw.

Quellen und Links:

Zum Beitrag bei TheSEMPost.

Ebenfalls lesenswert der Nachfolger.


Und unbedingt empfehlen möchten wir Ihnen unsere 4-teilige Blogreihe zum Thema:

Sprachsuche, digitale Assistenten und SEO!

 
 

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